Dominanz

Über kein anderes Thema gibt es so viel unterschiedliche Meinungen wie das angebliche Dominanzbestreben des Hundes. Auch ich habe anfänglich einige dieser Regeln als gut gemeinte Ratschläge zur Hundeerziehung mit auf den Weg bekommen. Aber irgendwie sagte mir mein Gefühl, dass diese strikten Regeln meinem  Mensch-Hund Alltag widersprachen.

  • "Der Hund darf nicht erhöht liegen"

 

Also im Klartext ist auch ein "Mit auf der Couch liegen" generell verboten. Die Tatsache bei meinem "Duncan" war aber, dass er durch körperliche Nähe, Sicherheit suchte. Wenn man sich ein Rudel Wölfe/Hunde anschaut, so gehört das Kontaktliegen mit zum sozialen Gefüge. Also ist es doch ein natürliches Verhalten und nicht das Bestreben an die Macht zu kommen. Problematisch wird es nur dann, wenn der Hund die Couch für sich alleine beansprucht!

 

  • "Der Hund darf nicht vorausgehen"

 

Auch hier möchte ich wieder ein Beispiel von Duncan aufführen. Nach langer Zeit hat er endlich so viel Selbstbewußtsein aufgebaut, dass er sich von meiner Seite löste und anfing die Gegend selbstständig zu erkunden. Hätte ich ihn, weil er ja dominantes Verhalten zeigte, zurückpfeifen sollen?

Ist ein Hund, der an der Leine zieht , dominant oder muss eventuell an der Leinenführigkeit gearbeitet werden?

 

 

  • "Der Hund bekommt sein Futter erst, nachdem der Mensch gegessen hat"

 

Auch diese goldene Regel befolge ich in meinem Alltag nicht. Die Futterreihenfolge richtet sich nach unseren persönlichen Bedürfnissen.

Meine Hunde bekommen ihr Futter oft zuerst, denn so liegen sie satt und zufrieden auf ihren Plätzen und ich kann in Ruhe mein Essen zubereiten.

Im freilebenden Wolfsrudel gibt es , wenn die Nahrungsressourcen es zulassen, auch keine Futterrangfolge, jedes Tier nimmt sich seinen Anteil und zieht sich damit zurück.

"Steigen Sie niemals über ihren Hund! Er muss Ihnen Platz machen!"

 

Versperrt der Hund Ihnen bewußt den Weg, trifft dieser Ratschlag sicherlich zu. Aber würden sie ihn wegscheuchen, wenn dieser gerade ein Sonnenbad nimmt?

Diese Liste ließe sich sicherlich noch endlos weiter führen.

 

Nach meinen Erfahrungen und auch durch die vielen Begegnungen mit anderen Hunden, konnte ich bei keinem Familienhund dominantes Verhalten feststellen. Ein Hund wäre mit dieser Führungsrolle in unserer Menschenwelt auch komplett überfordert.

 

Bestätigt wurde meine Einstellung auch durch das Buch von Barry Eaton: "Dominanz, Tatsache oder fixe Idee", der in sehr amüsanter Weise die These vom Dominanzverhalten eines Hundes hinterfragt.

 

Ich kann an dieser Stelle Hundehalter wirklich nur dazu ermutigen:

 

"Hinterfragen auch Sie solch allgemeingültigen Erziehungstipps und übertragen diese auf ihre eigene Mensch-Hund Beziehung.

Verlassen Sie sich ruhig mal auf ihr Gefühl, denn wer kennt Ihren Hund besser als Sie selbst?"